Ansprache des Seniors zur Semesterabschlusskneipe

Liebe Farben-, Cartell- & Bundesbrüder,
liebe Gäste, liebe Damen

wir sind heute hier zusammengekommen, um den Abschluss unseres Semesters zu feiern – und zugleich einen besonderen, ja historischen Moment in der Geschichte unserer Verbindung zu begehen. Denn dies ist nicht nur die letzte Kneipe dieses Semesters, sondern auch die letzte Kneipe, die wir in dieser Konstante feiern. Ein Ort, der für uns mehr war als nur vier Wände – er war Heimat, Treffpunkt, Ort des Lachens, des Diskutierens und des gemeinsamen Feierns.

Wenn wir heute hier stehen, blicken wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Das lachende Auge dankt Gott und einander für all die Erlebnisse, Begegnungen und tiefen Gespräche, die wir hier erleben durften. Das weinende Auge blickt in eine offene, noch ungewisse Zukunft – nicht wissend, was genau uns erwartet.

Diese Situation erinnert mich an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Auch das Volk Gottes stand damals an einem Wendepunkt – sie verließen einen vertrauten Ort, nicht, weil er perfekt war, sondern weil Gott sie zu etwas Neuem führte. Sie wussten nicht, wie der Weg aussehen würde, aber sie wussten, dass Gott mit ihnen geht. So wie die Israeliten
mussten auch wir immer wieder lernen: Es braucht Vertrauen – in Gott und in die Gemeinschaft.


Und genau darum geht es heute: Bundesbrüderliche Gemeinschaft und Zusammenhalt. Als katholische Studentenverbindung sind wir nicht nur ein Freundeskreis auf Zeit, sondern eine Lebensgemeinschaft, gegründet auf
festen Prinzipien. Wir sind getragen von unserem Glauben, verbunden in unseren Farben und Werten, und gestärkt durch das Versprechen, füreinander einzustehen – ein Leben lang.

Diese Gemeinschaft prägt nicht nur unser heutiges Miteinander, sondern auch meinen persönlichen Weg in den vergangenen Jahren. Zum 60. Stiftungsfest führte mich mein Weg – zurück aus Freiburg – wieder in meine Heimat Coburg. Damit begann ein ungewisses, aber spannendes Abenteuer, oft begleitet von dem Gefühl, dass es vielleicht keine Zukunft haben würde, hier bei unserer lb. Thuringia überhaupt nur einen Finger zu bewegen. Erst mit dem Aufruf und dem Beitritt einiger Bandinhaber – hier möchte ich besonders unseren Bundesbruder Hellmann erwähnen – nahm das Ganze Gestalt an. Bald darauf folgten die Stützburschen, wie unser Bundesbruder Pollack, die Verantwortung übernahmen und die Aktivitas stärkten. Schließlich durften wir zu Beginn des Wintersemesters 2024/25 neue Füxe begrüßen, die heute Abend
feierlich geburscht werden. Weitere unzählige Begegnungen, Freundschaften und Erlebnisse – ob hier in Coburg, im Cartellverband oder in der restlichen Korporswelt – prägten und stärkten diesen Weg, gaben ihm Tiefe und machten ihn zu
einer Zeit, die ich nicht missen möchte.

Das macht mich dankbar – und zuversichtlich. Dankbar, weil ich all diese Momente mit euch teilen durfte. Dankbar für die Gespräche, das gemeinsame Arbeiten, für die Abende, an denen wir zusammen gesungen, gestritten und gelacht haben. Und zuversichtlich, weil ich weiß: Auch wenn wir unsere vertraute Konstante verlassen, bleibt das Wichtigste bestehen –
unser Bundesbrüderlicher Zusammenhalt, der uns wie ein unsichtbares Band verbindet.

Die Israeliten wussten damals nicht, wie lange ihr Weg dauern würde, aber sie wussten: Das Ziel ist das Gelobte Land. Auch wir wissen nicht, wie unser Weg aussehen wird. Aber wir dürfen glauben, dass Gott mit uns geht. Wenn wir auf Ihn vertrauen und einander stützen, werden wir auch unsere „gelobte Heimat“ finden – einen neuen Ort, an dem Thuringia
wachsen und blühen kann.


Heute Abend ist also nicht nur ein Abschied, sondern auch ein Aufbruch. Ein Moment, um dankbar zurückzublicken und mutig nach vorne zu sehen. Lasst uns diesen Abend genießen, wie es sich für Thuringia gehört – mit Freude, Würde und einem festen Blick auf das, was uns verbindet. Ich gebe das Seniorat heute mit einem dankbaren Herzen und voller
Zuversicht ab. Möge Gott uns in allen kommenden Semestern begleiten – egal, wohin unser Weg uns führt.

VIVAT CRESCAT FLOREAT Thuringiae ad multos annos!

Ansprache des Seniors Bbr Bilbo