Von der ersten Idee im Sommersemester 1961 bis zur Aufnahme in den CV im Jahr 2011 — sechs Jahrzehnte Thuringia Coburg, nach Dekaden gegliedert und mit historischen Aufnahmen bebildert. Weitere Bilder finden sich unter „Bilder & Beiträge“ und „Rückblick: Stiftungsfeste“.

Verbindungsgeschichte

1960-69

Gründung

02. Juni 1962

Ort

Kath. Jugendheim St. Augustin

Gründungsbursch

Werner Kluge

Die Gründung


Im Sommersemester 1961 nahm der spätere Gründungsbursch Werner Kluge gemeinsam mit dem geistlichen Beirat des Technischen Cartellverbandes (TCV), Pater Zimmermann, erste Gespräche über die Gründung einer katholischen Studentenverbindung an der damaligen Staatsbauschule Coburg auf. Zehn weitere Studenten schlossen sich rasch an.

Schon in der Gründungsphase wurde über das Selbstverständnis der jungen Verbindung diskutiert — zwischen religiösem Schwerpunkt und einer traditionsbewussten, zugleich zeitgemäßen Ausrichtung. Aus dieser Debatte entstand das Profil, das Thuringia bis heute trägt: katholisch, traditionsbewusst und zukunftsorientiert. Ende des Wintersemesters 1961/62 fiel die Gründungsentscheidung; Name, die Farben Rot-Gold-Blau und das Hinterhauptcouleur wurden festgelegt.

Unter dem Leitspruch „Jetzt erst recht" bereiteten die jungen Bundesbrüder trotz ausbleibender finanzieller Unterstützung die Gründungsfeier am 2. Juni 1962 vor. 1965 folgte die endgültige Aufnahme in den TCV sowie die Gründung des Altherrenverbandes. Die zweite Hälfte des Jahrzehnts brachte die bis heute lebendige Freundschaft mit der KÖStV Thuringia Wien und 1968/69 den ersten Auftritt der Chargen in Vollwichs. Selbst die Studentenunruhen von 1969 konnten die Entwicklung nicht bremsen — das Jahrzehnt endete mit einer fest an der Fachhochschule Coburg verwurzelten Verbindung.

1970-79

Höchststand 1970

33 Aktive

Tiefstand 1979

1 Aktiver

Höhenflug und Krise


Im Sommersemester 1970 erreichte die Aktivitas mit 33 aktiven Bundesbrüdern ihren bis dahin höchsten Stand und war damit die stärkste Studentenverbindung am Hochschulstandort Coburg. Von 1970 bis 1973 stellte Thuringia zudem den Vorsitz des Regional-Convents Süd-Ost im TCV, mit Helmut Otto v. Pitter als Regionalconventspräsident.

Mitte des Jahrzehnts veränderten neue Studienordnungen und ein verändertes Pendelverhalten der Studierenden das Hochschulleben grundlegend — die Zahl der Aktiven sank bis 1976 auf sieben. Die Freundschaft mit der KÖStV Thuringia Wien vertiefte sich dennoch weiter: 1977 wurden gegenseitig Ehrenbänder verliehen. Gegen Ende des Jahrzehnts bestand die Aktivitas 1979 nur noch aus einem einzigen Bundesbruder — eine der schwierigsten Phasen der Verbindungsgeschichte, die jedoch durch den Zusammenhalt der Bundesbrüder überstanden wurde.

(c) IV Hildburgia

1980-89

Höhepunkt

25 Jahre TCV–MKV, 1986

Neue Tradition

Krambambulikneipe

Wiederaufbau


Nach den schwierigen Jahren am Ende der 1970er gelang durch engagierte Bundesbrüder Schritt für Schritt der Wiederaufbau. Trotz kleiner Aktivitas übernahm Thuringia mit Gerd Popp v. Schorschi erneut Verantwortung im TCV als Regionalconventspräsident des Regional-Convents Süd-Ost.

1986 beteiligte sich die Verbindung gemeinsam mit der KÖStV Thuringia Wien an den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Freundschaftsabkommen zwischen TCV und Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV) — daraus entstand die bis heute geschätzte Krambambulikneipe. Die politischen Umbrüche von 1989 eröffneten neue Begegnungen: Der Besuch der Cartellbrüder aus Ilmenau nach dem Fall der innerdeutschen Grenze zeigte eindrucksvoll, dass studentische Freundschaft stärker ist als politische Grenzen.

1990-99

Erste Reise n. Thüringen

Mai 1990, Paulinzella

30. Stiftungsfest

1992

Aufbruch nach der Wende


Mit der deutschen Wiedervereinigung öffneten sich Wege, die jahrzehntelang verschlossen waren. Bereits im Mai 1990 führte die erste gemeinsame Reise nach Thüringen — nach Paulinzella, zur Begegnung mit dem Akademischen Altherrenverband Keynhausia und einer deutsch-deutschen Kreuzkneipe. Weitere Besuche in Rudolstadt, auf der Rudelsburg, in Saaleck und Jena ließen daraus dauerhafte Freundschaften wachsen, u.a. mit der KTV Unitas Ilmenau.

Beim 30. Stiftungsfest 1992 gründete der Convent einen Mietverein mit dem Ziel, ein eigenes Studentenheim nahe St. Augustin zu errichten — ein Vorhaben, das letztlich nicht dauerhaft umgesetzt wurde, aber den Zusammenhalt der Bundesbrüder unterstrich. Die Freundschaft mit der K.Ö.St.V. Thuringia Wien wurde mit gemeinsamen Jubiläen auf Schloss Schallaburg, in Landshut und im Stift Schlierbach weiter vertieft. Bundesbrüder wie Helmut Otto v. Pitter, Gerd Popp v. Schorschi und Dr. Marc Anton übernahmen zudem Ämter auf TCV- und CV-Verbandsebene.

2000-09

Wendepunkt

Abriss Pfarrzentrum St. Augustin, 2002

Ohne Aktivitas seit

2006

Ein Ort geht, ein neuer Weg beginnt


Zu Beginn des Jahrzehnts prägten Semesterprogramm, Cartellversammlungen des TCV und gemeinsame Veranstaltungen mit der KDStV Guelfia Würzburg und der KTV Grenzmark Schweinfurt das Verbindungsleben. 2002 folgte ein einschneidendes Ereignis: der Abriss des Pfarrzentrums St. Augustin, jahrzehntelang die Heimat der Thuringen. Das 40. Stiftungsfest war das letzte an diesem Ort — dank Diakon Stefan Alkofer fand die Verbindung in der Pfarrei St. Marien eine neue Heimat; er erhielt dafür das Ehrenband.

2004 wurde der 35-jährige Freundschaftsvertrag mit der K.Ö.St.V. Thuringia Wien in Melník bei Prag gefeiert, 2005 ein offizieller Freundschaftsvertrag mit der KTV Grenzmark Schweinfurt geschlossen. Seit 2006 bestand keine aktive Aktivitas mehr in Coburg — der Altherrenverband übernahm die Verantwortung und stellte beim 46. Stiftungsfest erstmals das Präsidium. 2009 entschied der Convent, Gespräche mit dem Cartellverband (CV) über eine mögliche Aufnahme aufzunehmen — der erste Schritt einer entscheidenden Neuorientierung.

2010-12

Aufnahme in den CV

3. Juni 2011, Essen

Mitgliedsnummer

125. Verbindung des CV

Aufnahme in den CV


Beim 48. Stiftungsfest 2010 wurde ein neuer Altherrenvorstand gewählt und der Beschluss gefasst, die Aufnahme in den Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) anzustreben. Mit großem Einsatz bereiteten die Bundesbrüder diesen Schritt vor, während zugleich das 50. Stiftungsfest vorbereitet wurde.

Auf der Cartellversammlung in Essen im Juni 2011 wurde Thuringia mit großer Mehrheit aufgenommen: Seit dem 3. Juni 2011 ist Thuringia die 125. Verbindung des CV — nach der KDStV Guelfia Würzburg und der KTV Visurgis Bremen die dritte ehemalige TCV-Verbindung, die diesen Weg gegangen ist. Die gewachsene Freundschaft mit der K.Ö.St.V. Thuringia Wien blieb dabei ebenso lebendig wie die eigenen Traditionen — ein neues Kapitel in der Geschichte der Verbindung hatte begonnen.