Die KStV Thuringia Coburg
1962 - 2012
Sommersemester 1961 – Der Student und spätere Gründungsbursch Werner Kluge führte mehrere intensive Gespräche mit dem damaligen geistlichen Beirat des TC, Pater Zimmermann, über die mögliche Gründung einer katholischen Studentenverbindung an der damaligen Staatsbauschule und heutige Hochschule Coburg. Bei diesen Gesprächen stellte Pater Zimmermann jegliche ideelle und vor allem auch materielle Hilfe bei einer Gründung in Aussicht. Mit diesen Zusagen im Rücken fand Werner Kluge im Wintersemester 1961/62 noch weitere zehn Kommilitonen, die zur Gründung einer katholischen Studentenverbindung bereit waren. Bei allen elf Gründungsburschen (Werner Klug, Manfred Rasch, Gerd Vogelmann, Felix Schoer, Klaus Kohler, Götz Ullrich, Klaus Hönl, Alois Dechant, Hans Oelschlegel, Ernst Walter & Peter Krüger) gingen die Meinungen über die äußeren Formen, den eigentlichen Sinn und die Aufgaben einer katholischen Studentenverbindung sehr weit auseinander.
In vielen Diskussionen klärten sich zwei Hauptrichtungen: Die sehr stark religiös geprägten Gründungsburschen sahen in der Gründung einer katholischen Studentenverbindung mehr die Einrichtung einer Studentengemeinde, die auch ohne die äußeren Attribute einer Verbindung auskommt. Ein anderer Teil der Gründungsburschen tendierte ehr zur Gründung einer zwar katholischen, aber auch traditionalleren Studentenverbindung, jedoch nicht in der damals im TCV üblichen Form. Es sollte eine Verbindung ohne die vielen überholten alten Zöpfe werden, in der sich das Verbindungsleben in völlig neuer Form, aber auch in zeitgemäßer Form darstellt. Die Frage des Farbetragens wurde durch den angestrebten Eintritt in den TCV, als farbetragender Verband, praktisch zwangsweise entschieden. Die Anschaffung einer Vollwichs für das Präsidium wurde jedoch von fast allen Gründungsburschen total abgelehnt. Hier wollte man nach dem Vorbild des KV-Verbindung Julius Echter zu Würzburg verfahren, eine Salonwichs sollte genügen.
Wintersemester 1961/62 – Nachdem sich die elf Gründungsburschen über die künftige Linie der Verbindung geeinigt hatten, waren bis zum Ende des Wintersemesters 1961/62 nur noch formale Dinge, wie Namensgebung, Farben- und Couleurwahl, sowie die Grundrisse einer Satzung zu klären. Da das Coburger Land Thüringen zum Nachbarn hat, war in Anlehnung daran der Name „Thuringia“ schnell gefunden. Die Farben wurden mit rot (dunkles Weinrot), gold und blau (dunkel-blau) festgelegt und als Couleur das kleine unauffällige Hinterhauptcouleur gewählt. Am Ende des Wintersemesters 1961/62 war die KStV Thuringia, die „Katholische Studentenverbindung Thuringia“, geboren.

Der erste Festkommers
Sommersemester 1962 – Thuringia trat an Pater Zimmermann heran um die in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung zu erbitten. Hier gab es die erste große Enttäuschung-Thuringia stand plötzlich alleine da. Eine gewisse Resignation ergriff die Gründungsburschen, die aber bald zu einer Trotzaktion, nach dem Motto „jetzt erst Recht“ umschlug. Voller Eifer stürzten sich die Gründungsthuringen in die doch sehr umfangreichen Vorbereitungsarbeiten für die Gründungsfeier, die praktisch einem Promulgationskommers entsprach. Am Samstag, den 2. Juni 1962, war es also soweit, die KStV Thuringia trat das erste Mal als Studentenverbindung im großen Saal des katholischen Jugendheims der Pfarrgemeinde St. Augustin an die Öffentlichkeit.
Obwohl wir Thuringen uns der Staatsbauschule zugehörig fühlten, fand sich von der Coburger Dozentenschaft keiner bereit, an der Gründungsfeier teilzunehmen. So konnten wir für den Abend den Direktor des damaligen Balthasar-Neumann Polytechnickums Würzburg, Herrn Baudirektor Josef Traßl, als Festredner gewinnen. Auch von den damals schon existierenden Coburger Studentenverbindungen waren nur „stille Beobachter“ anwesend. Umso mehr erfreute und die stattliche Anzahl alter Herren aus dem CV. Den Hauptanteil der Gäste bildeten naturgemäß die alten Herren unseres Dachverbandes, des TCV. Als Chargenabordnungen konnte Thuriniga die Vertreter der TCV-Verbindungen Guelfia zu Würzburg, Rheno-Franconia zu Nürnberg, Pontana Regensburg und vom KV die Verbindung Julius Echter zu Würzburg begrüßen. Die Gründungsfeier war ein voller Erfolg und die Coburger Presse berichtete ausführlich über die Entstehung der katholischen Studentenverbindung Thuringia im traditionell sehr liberalen Coburg. Am Rande sei noch vermerkt, das Thuringia an diesem Abend ihre erste finanzielle Unterstützung erhielt, nämlich DM 100,- vom TCV.
Wintersemester 1962/63 – Nun galt es doch bei den neu beginnenden Studenten um den nötigen Nachwuchs zu werben, was auch mit der Aufnahme der ersten 6 Füchse (Horst Kröckel, Peter Haas, Richard Beez, Peter Monheim, Erwin Wigand & Werner Gregor) ganz gut gelang.
Am 13. Oktober 1962 besuchte Thuringia das 35. Stiftungfest unserer Patenverbindung, der KDStV Gulfia zu Würzburg im TCV, bei dem auch die Patenschaftsurkunde ausgetauscht wurde. Im Dezember 1962 nahm Thuringia am Festkommers des TCV anlässlich des Thomastages in Nürnberg teil. An diesem Abend wurde die Initiative von Cbr. Schütz (Rheno-Franconia zu Nürnberg) eine Sammlung zu Gunsten Thuringias für die Anschaffung einer Vollwichs durchgeführt, die ein Ergebnis von DM 750,- erbrachte.
Wir Thuringen waren von dieser Sammlung sehr überrascht, da ja allgemein bekannt war, dass wir damals eine Vollwichs abgelehnten. Dies erklärten wir auch Cbr. Schütz, legten aber gleichzeitig unsere finanziellen Nöte offen dar. Mit den Worten: „… bei Euch ist das Geld bestimmt gut angelegt“ übergab er uns dennoch das Sammlungsergebnis. Aus heutiger Sicht hat diese Spende, trotz des vorhandenen großen Idealismus, Thurignia erst richtig auf die Beine gestellt.

Fröhliche Fuchsen Günter Krätzler v. Eule, Helmut Zeitler v. Butler, Günter Grube und Hans Cordes v. Preuß im WS 64/65

Antrittskneipe WS 1964/65
Horst Kröckel, Peter Haas und Richard Betz
Sommersemester 1963 – Wintersemester 1964/65
Die folgenden Sommer- und Wintersemester verliefen zu vollen Zufriedenheit, die neu gefundene Verbindungsform fand bei der Studentenschaft großen Anklang und Thuringias Aktivitas wurde immer stärker.
Sommersemester 1965 – Thuringia erarbeitet sich eine Satzung, die im April verabschiedet werden konnte. Auf der Cartellversammlung in Vallendar wird die KStV Thuringia endgültig in den TCV aufgenommen. Beim 3. Stiftungsfest Thuringias am 1. Mai 1965 wurde Thuringias Altherren-Verband gegründet. Die Aktivitas freute sich darüber sehr, stand ihr doch von nun an auch ein AH-Verband mit Rat und Tat zur Seite.
Wintersemester 1965/66 – Sommersemester 1965 – Thuringia entwickelte sich zu einer der stärksten Verbindungen unseres Dachverbandes. Seit 5 Jahren hat der TCV ein Freundschaftsabkommen mit dem österreichischen MKV. Angeregt durch dieses Freundschaftsabkommen kommt es im Herbst 1967 zur ersten schriftlichen Kontaktaufnahme mit KÖStV Thuringia Wien im MKV und im Frühjahr 1968 beim Cartelltag des TCV in Trier zur ersten persönlichen Begegnung mit Thuringia Wien, zwischen unserem Bbr. Helmut Otto v. Pitter und Kbr. Jaro Sterbik-Lamina v. Totila).
Fuchsenstall 1966
Wintersemester 1968/69 – Beim Thomastag in Nürnberg zeigten sich Thuringias Chargen zum ersten Male in der – lange Zeit abgelehnten – vollen Wichs. Die gesamte Aktivitas von 30 Mann und 5 Alten Herren erschien als Couleurbedeckung.
Sommersemester 1969 – fielen, außer dem Stiftungsfest, alle übrigen Verbindungsveranstaltungen wegen der Studentenstreiks an den Fachhochschulen aus. Am 7. Mai bei unserem 7. Stiftungsfest übergab uns Kbr. Jaro Sterbik-Lamina das Band e.v. KÖStV Thuringia Wien. Unser Philistersenior Helmut Otto v. Pitter übergab unser Band am 4. Juni beim 47. Stiftungsfest in Wien. Aus heutiger Sicht ist dieser Freundschaftsvertrag nicht nur ein Stück Papier geblieben, sondern hat sich durch persönliche Freundschaften und ein sehr herzliches Verhältnis zwischen unseren Verbindungen inhaltlich voll verwirklicht.

Fuchsenstall 1968-69
Wintersemester 1969/70 – Zu Beginn des Semesters wurden die Streiks abgebrochen und das Verbindungsleben nahm wieder seinen gewohnten Verlauf. Durch ihre attraktiven Veranstaltungen und ihr gutes Niveau entwickelte sich Thuringia zur beliebtesten Studentenverbindung an der Fachhochschule Coburg.
Sommersemester 1970 – Die Aktivitas erreichte ihren Höchststand mit 33 aktiven Bundesbrüdern war sie Coburgs stärkste Verbindung. Rückblickend muss allerdings heute dazu bemerkt werden, dass es für Thuringia damals besser gewesen wäre, etwas mehr auf Qualität als auf Quantität zu achten. Denn gerade aus dieser Thuringengeneration haben später doch etliche Bundesbrüder der Verbindung den Rücken gekehrt und sind ausgetreten.
Wintersemester 1970/71 – WS 1972/73 – Übernahme des Vorsitzes im Reginal-Convent Süd-Ost (RCSO) des TCV. Regionalconventspräside (RCP) wird unser Philistersenior Helmut Otto v. Pitter.
Sommersemester 1973 – Sommersemester 1977 – In diesen Jahren begann sich nun die nach den Studentenstreiks von 1969 neu eingeführten Vorlesungs- und Prüfungsordnungen negativ auf die Verbindung auszuwirken. Die Vorlesungen verteilten sich auf den ganzen Tag, oft bis spät in den Abend, die Samstagsvorlesungen entfielen.
Die früher aus ganz Deutschland stammenden Studenten blieben in Coburg mehr und mehr aus, weil sich die Studienanfänger fast nur noch der dem Heimatort nächstgelegenen Fachhochschule zuwandten. Die zunehmende „Studentenmotorisierungswelle“ tat ein Übriges und der absolute Wochenendheimfahrtstudent war geboren. Diese Entwicklung bekam, trotz eines guten Programmangebots, auch Thuringia voll zu spüren. So sank die Aktivitas innerhalb weniger Jahre bis zum Sommersemester 1976 auf 7 Mitglieder ab.
Zur Vertiefung des Freundschaftsverhältnisses mit Thuringia Wien wird im SoSe 1977 an Kbr. Sterbik-Lamina v. Totila, Thuringia Wien, und unseren damalige Phil-X Helmut Otto v. Pitter das Band h.c. der jeweils anderen Verbindung verliehen.
16. Stiftungsfest – (C) IV Hildburgia
Wintersemester 1977/78 – Sommersemester 1979 – Die Anzahl der Aktiven ist 1979 auf einen Bundesbruder abgesunken. Ein Verbindungsleben war praktisch nicht mehr durchführbar.
Wintersemester 1979/80 – Sommersemester 1982 – In dieser schweren Zeit hatte Thuringia Glück, zwei Aktive aus Coburg bzw. der engsten Umgebung zu gewinnen. Sie hielten den Kontakt zu Coburg und der Fachhochschule aufrecht, während die Thuringenstammtische in Bayreuth, Bamberg, Nürnberg und München die Semesterveranstaltungen durchführten, und durch gut vorbereitete, niveaureiche Abende überzeugten. Trotz der zahlenmäßig kleinen Aktivitas übernimmt unsere Verbindung zum zweiten Mal den des Vorsitzes im RCSO. Regionalconventspräside wird unser Bbr. Gerd Popp v. Schorschi.
Wintersemester 1982/83 – Wintersemester 1985/86 – Mit dieser Gewaltanstrengung gelang es in den Jahren wieder eine zwar kleine, doch sehr schlagkräftige Aktivitas aufzubauen, der Thuringia sehr viel zu verdanken hat. Schmerzlich wird das Grundübel Thuringias bewusst, nämlich das Fehlen von genügend Alten Herren im Coburger Raum. Das zwar landschaftlich sehr reizvolle aber industriearme, durch die halbkreisförmig verlaufende Zonengrenze vom klassischen Hinterland Thüringen abgeschnittene Coburger Land, bietet eben kaum die Möglichkeit sich auch beruflich dort niederzulassen.
Sommersemester 1986 – Trotz der Schwäche der Aktivitas ist Thuringia mit drei Bundesbrüdern im Vorort des TCV vertreten. Helmut Otto v. Pitter ist stell- vertretender Vorortspräsident (cVOP), Rolf Fell v. El Torro ist Cartellkassier (CK) und Aktiven-Senior Matthias Groher ist Aktiven-Vorortspräsident (aVO) des TCV.
In dieses Jahr fällt auch das 25-jährige Jubiläum des Freundschaftsabkommens MKV – TCV. Thuringia Wien und Thuringia Coburg erhalten den ehrenvollen Auftrag dieses Fest am 5. April 1986 in Rosenheim auszurichten. Bbr. Herbert Müller v. Ämm und der Wiener Senior Helmut Stadler v. Cato schlugen vor 57 Korporationen und rund 500 Couleurträgern, die aus ganz Deutschland und Österreich angereist kamen, einen in die Annalen eingehenden Kommers.
In diesem Semester werden auch die ersten Verkehrsbänder an Cartellbrüder aus dem CV (KDStV Gothia und KDStV Markomannia bd. Würzburg) verliehen.
Wintersemester 1986/87 -Leider ist der Keilarbeit an der Fachhochschule kein nachhaltiger Erfolg beschieden. Mit der erstmals von unseren Wiener Bundesbrüdern Herbert Fritz v. Dr.cer Textor und Anton Schürz v. Dr.cer Marc Anton in der Katakombe gehaltene Krambambulikneipe beginnt eine bis heute andauernde Tradition.
Wintersemester 1987/88 – Zum Infoabend am Semesterbeginn können wir leider keine Gäste begrüßen. Bei der Semesterantrittskneipe kommen drei Gäste, leider kann sich aber keiner davon entschließen der Verbindung beizutreten. Neben der traditionellen gut besuchten Krambambulikneipe mit Bbr. Anton Schürz v. Dr. cer. Marc Anton, Bbr. Herbert Fritz v. Dr. cer. Textor und Kbr. Harald Wanik v. Politicus werden in diesem Semester eine Kreuzkneipe mit e.v. KDStV Gothia Würzburg im CV und eine CCC Mehrfarbenkneipe mit allen Coburger Verbindungen geschlagen. Zu neunt fahren wir nach Wien, wo unserem Bundesbruder Herbert Fritz v. Textor die Ehre eines Doctor cerevisiae et vinii verliehen wird.
Wintersemester 1982/83 – Wintersemester 1985/86 – Mit dieser Gewaltanstrengung gelang es in den Jahren wieder eine zwar kleine, doch sehr schlagkräftige Aktivitas aufzubauen, der Thuringia sehr viel zu verdanken hat. Schmerzlich wird das Grundübel Thuringias bewusst, nämlich das Fehlen von genügend Alten Herren im Coburger Raum. Das zwar landschaftlich sehr reizvolle aber industriearme, durch die halbkreisförmig verlaufende Zonengrenze vom klassischen Hinterland Thüringen abgeschnittene Coburger Land, bietet eben kaum die Möglichkeit sich auch beruflich dort niederzulassen.
Sommersemester 1988 – Am Festkommers des 26. Stiftungsfestes übergibt Bbr. Helmut Otto v. Pitter nach 19 Jahren als Philistersenior das Amt in die Hände von Bbr. Rolf Fell v. El Torro. Als Dank für seine langjährige Tätigkeit bekommt er das Ehrenband Thuringias. Bbr. Rolf Fell erhält bei der CV in Vallendar das Ehrenband des TCV für seine langjährige Tätigkeit als Cartellkassier.
Wintersemester 1988/89 – Sommersemester 1990 – Cbr. Andreas Raab v. Paloma von der KDStV Frankonia-Czernowitz im CV zu Erlangen stellt sich vor und wird Verkehrsaktiver. Es gelingt einen neuen Fuchsen zu keilen. Beim 27.Stiftungsfest erhält die gute Seele der
Pfarre St. Augustin, Norbert Flögel, das Thuringenband. Am 3. Juni 1990 wird das 20-jährige Bestehen des Freundschaftsvertrages der Thuringen in Coburg und in Wien mit einer Festveranstaltung in Reichersberg am Inn in Oberösterreich gefeiert.
Wintersemster 1989/90 – Das Weinseminar von Bbr Helmut Otto v. Pitter ist besonders deshalb erwähnenswert, weil es am 9. November stattfand. Während die Bundesbrüder in Coburg Wein genossen, hat sich in Berlin die Welt verändert.
Bei der Krambambulikneipe, die wieder von unseren Wiener Freunden Ende November in Coburg veranstaltet wurde, bekamen wir Besuch von „Drüben“ – es besuchten uns Cartellbrüder der Unitas Ilmenau. Da diese für den nächsten Tag eine Kneipe geplant hatten, fuhren einige Wiener und Coburger Thuringen – mit etwas mulmigem Gefühl im Bauch – in die DDR nach Ilmenau, um dort im Saal der katholischen Pfarrei St. Josef mit den jungen Unitariern zu kneipen. Wir staunten nicht schlecht, als wir im offiziellen hektographierten Kirchengesangsbuch der Pfarrgemeinde jede Menge Studentenlieder vom Gaudeamus bis zur „Alten Burschenherrlichkeit“ entdeckten. Besonders heiter war die Rezeption eines Fuchsen der Unitas. Der Senior, ein Techniker, versuchte sich an der lateinischen Rezeptionsformel „Ego… pro tempore…“ Immer dort wo eigentlich ein „u“ zu erwarten war versuchte er mit viel Mühe ein „n“ zu sagen. Und tatsächlich stand im besagten Kirchengesangsbuch der Text so geschrieben. Offensichtlich hatte ein des Lateins und der alten Schreibweise Unkundiger den Text so aus einer Handschrift transkribiert. Dieses heitere Ereignis steigerte nur unsere Hochachtung vor den jungen Burschen, die noch in der Illegalität eine katholische Verbindung reaktivierten.
Auch bei der Einführung unseres Bbr. Reinhold Seidl als Pfarrer in Schwarzenbach a. d. S. am 3. Dezember 1989 waren die Thuringen zahlreich vertreten.
28. Stiftungsfest 1990
Sommersemester 1990 – Wintersemester 1990/91– Wir fahren in das Land, dessen Namen wir tragen: nach Thüringen. Vom 12. bis 13. Mai 1990 treffen wir uns mit dem akademischen AHV Keynhau-sia zu einer ersten Übernachtung und einer deutsch/deutschen begeisternden Kreuzkneipe in Paulinzella. Der Ort ist nach dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster Paulinzella benannt und liegt etwa 100 km nördlich von Coburg im Rottenbachtal in Thüringen. Die Ruine der Klosterkirche gehört zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken in Deutschland. Das Kloster wurde zwischen 1102 und 1105 von der sächsischen Adligen Paulina gegründet und im Verlauf der Reformation 1542 aufgehoben.
Bei der abendlichen Kneipe lernen wir die Sitten und Bräuche der im Verborgenen entstandenen Verbindungen kennen. Allerdings konnten wir mit unserer Sangeskunst die Keynhausen wenig überzeugen; lediglich die Bundesbrüder Schorschi und Dr. Textor, der extra mit Familie aus Wien angereist war, können vor ihren Ohren bestehen. Im Rahmen dieses Besuches zeigen uns die Farbenbrüder aus dem Osten am nächsten Tag Rudolstadt, Saaleck und Rudelsburg sowie Jena mit dem Fuchsturm.

Klosterruine Paulinzella

Kreuzkneipe in Ilmenau
– mit den Verbindung aus den neuen Bundesländern
und der KTV Unitas Ilmenau
Sommersemester 1991 – Wintersemester 1991/92 – Auch im Herbst 1991 feierten wir – am Tag nach der Krambambulikneipe – gemeinsam mit unseren Wiener Thuringen, einer weiteren Verbindung aus den neuen Bundesländern und der KTV Unitas Ilmenau eine Kreuzkneipe in Ilmenau. Dabei war auch der Vizepräsident des EKV Kartellbruder Paul Saey v. Trappischt vom KVHV, der uns und den Ilmenauern den Flämischen Salamader beibringt.
Unter starker Beteiligung Thuringias veranstaltet der TCV in der Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung ein Deutschlandseminar auf Kloster Banz.
Sommersemester 1992 – Wintersemester 1992/93 – Anlässlich der Convente beim 30. Stiftungsfest in Coburg wird ein Mietverein gegründet. Von unserem Bundesbruder und Pfarrer Prälat Caspar Lang wird uns ein Haus in unmittelbarer Nähe zu St. Augustin angeboten, das wir als Studentenheim nützen könnten.
Unser Freundschaftsverbindung K.ö.St.V. Thuringia Wien feiert ihr 70. Stiftungsfest auf dem altehrwürdigen Renaissanceschloss Schallaburg im Zentrum von Niederösterreich.
30. Stiftungsfest 1992
Sommersemester 1993 – Das 31. Stiftungsfest verläuft ohne besondere Ereignisse.
Bbr. Ulrich Hering v. Faß wird mit der Organisation des Festkommers anlässlich des 90-jährigen Bestehens des TCV in Offenburg betraut. Auch eine Chargenabordnung des CV mit Vorortspräsident Andreas Kübler feierte mit uns.
Das Fest war ein großer Erfolg.
Wintersemester 1993/94 – Wintersemester 1994/95 – Das Großereignis dieser Semester war die Feier zum 25-jährigen Bestehen unseres Freundschaftsvertrages mit unseren Wiener Thuringen, welche uns vom 24. – 25. September 1994 in Landshut in Bayern zusammenführt.
Sommersemester 1995 – Wintersemester 1995/96 Die 68. CV des TCV findet wieder in Vallendar statt. Im Herbst 1995 wird AH Dr. Marc Anton im Namen des TCV zum Vizepräsidenten des EKV gewählt. Für seine langjährige Tätigkeit die er Namens des TCV im EKV ausübt, wird ihm am Ende seiner mehrfachen Amtszeiten der Eh- renring des TCV verliehen.
Sommersemester 1996 – Wintersemester 1996/97 -Unser Bundesbruder Gerd Popp v. Schorschi wird bei e.v. KDStV Frankonia Czernowitz zu Erlangen im CV mit dem Amt des Philisterseniors betraut. Er wird diese Charge bis zum Sommersemester 2002 ausüben.
Sommersemester 1997 – Wintersemester 1999/2000 – Die 70. CV des TCV in Vallendar wird die letzte an diesem schönen Ort sein. Über viele Jahre tagte der TCV im Schönstatthaus der Pallottiner. Bundesbruder Helmut Otto v. Pitter erhält nach 11 Jahren als cVOP für sein Engagement das Ehrenband des TCV. Unser 35. Stiftungsfest wird in eher bescheidenerem Rahmen gefeiert, während die K.ö.St.V. Thuringia Wien zu ihrem 75. Stiftungsfest ins historistische Schloss Grafenegg einlädt.
Sommersemester 1999 – Wintersemester 1999/2000 – Die 72. CV des TCV und die Feier 95 Jahre TCV findet in Wuppertal statt. Neben dem 37. Stiftungsfest in Coburg treffen einander wieder viele Thuringen aus Deutschland und Österreich bei der Feier zum 30jährigen Bestehen des Freundschaftsvertrages am und 18. September 1999 im Stift Schlierbach in Oberösterreich.
Sommersemester 2000 – Wintersemester 2001/02 – Neben unserem 38. Stiftungsfest besuchen wir die 73. CV des TCV in Bad Driburg und schlagen eine Mehrfarbenkneipe in Schweinfurt mit e.v KDStV Guelfia Würzburg und e.v. KTV Grenzmark Schweinfurt.

Abriss des Pfarrzentrums
von St. Augustin (2004)

Kreuzkneipe in Ilmenau
– mit den Verbindung aus den neuen Bundesländern
und der KTV Unitas Ilmenau
Sommersemester 2002 – Wintersemester 2002/03 – Die 75. CV des TCV führt uns nach Bremen. Unser 40. Stiftungsfest wird für lange Zeit das letzte in St. Augustin sein. Unsere alte Heimstätte, das Pfarrzentrum von St. Augustin, der vielen Thuringen vertraute Ort wird abgerissen und das Gelände neu überbaut. Mit Hilfe von Diakon Stefan Alkofer können wir ein Ausweichquartier in
St. Marien beziehen.
Sommersemester 2003 – Wintersemester 2004/05 – Beim 41. Stiftungsfest am 26. April 2003 – dem ersten im St. Marien – wird Diakon Stefan Alkofer das Ehrenband Thuringias verliehen.
Im Herbst 2003 wird in Bingen im großen Rahmen 100 Jahre TCV gefeiert und vom 10. bis 12. September 2004 erinnern wir uns im tschechischen Melnik in der Nähe von Prag an das 35-jährige bestehen unseres Freundschaftsvertrages mit Thuringia Wien.
Freundschaftsvertrag
mit e.v. KTV Grenzmark Schweinfurt (2005)
Sommersemester 2005 – Wintersemester 2005/06 – Beim 43. Stiftungsfest im Jahre 2005 wurde unter TOP 12 der Antrag auf einen Freundschaftsvertrag mit e.v. KTV Grenzmark Schweinfurt einstimmig genehmigt. Beim 45. Stiftungsfest der KTV Grenzmark am 5. Mai 2005 wurde der Bändertausch vollzogen.
Die Krambambulikneipe am 12. November 2005 wird von Bundesbruder Florian Fell v. Floh geschlagen. Als Magister Krambambuli fungieren Bundesbruder Willy Partsch v. Asterix und sein Schwiegersohn Maximilian Kohmaier v. Oswulf von der Thuringia Wien
Sommersemester 2006 – Wintersemester 2008/09 – Es gibt keine Aktivitas mehr in Coburg. Die Inaktiven Burschen werden in den AH-Verband aufgenommen. Beim 46. Stiftungsfest im April 2008 muss der AH-Verband das Festpräsidium stellen. Der Verbindungsbetrieb in Coburg ruht. Trotzdem wird das Cartelltreffen des TCV in Bad Driburg besucht.

Bundesbruder Ämm an der Bierorgel beim Stiftungsfest 2008
- Stiftungsfest 2009
Bbr Pollux, Bbr Teja und Bbr Alfa
Somersemester 2009 – Beim 47. Stiftungsfest konnte kein Philistersenior gefunden werden. Als Notlösung wurde eine Doppelspitze gewählt, bestehend aus den Bundesbrüdern Matthias Groher v. Pepone und Hans Cordes v. Preuß. Im Rahmen dieses Conventes wurde auch die Auflösung des Mietvereines beschlossen. In den intensiven Diskussionen dieses Zusammentreffens wurde den Bundesbrüdern klar, wenn Thuringia weiter bestehen soll muss etwas Entscheidendes passieren. Man gelangte zu der Meinung, dass dies nur in einem starken Verband wie dem CV geschehen könne. Der Convent beauftragte daher die Bundesbrüder Matthias Groher v. Pepone und Helmut Otto v. Pitter, der Consenior des CV-Altherrenzirkels im Gauverband Berlin ist, Kontakt mit dem CV aufzunehmen. Erste Gespräche mit dem Sekretär des CV Cartellbruder Richard Weiskorn (Ae) fanden kurz darauf in München und Düsseldorf statt.
Die 123. CVV des CV ist in Erlangen. Die Geschäftsführung der Organisation dieser Veranstaltung wird unserem Bundesbruders Gerd Popp v. Schorschi (Thu, FcC) übertragen.
Wintersemester 2009/10 –Vom 16. bis 18. September organisieren wird das Freundschaftstreffen (40. Jahre Freundschaftsvertrag) im Zisterzienserkloster Aldersbach. In Coburg wird ein „Coburger Thuringen-Stammtisch“ gegründet.
Sommersemester 2010 – Beim 48. Stiftungsfest konnte auf Vorschlag von Bundesbruder Rolf Fell v. El Torro die Doppelspitze aufgelöst werden. Es wird der Altherrenvorstand in der folgenden Zusammenssetzung gewählt: Philistersenior Matthias Groher v. Pepone, Philister-Consenior Hans Cordes v. Preuß, Philister- Schriftführer Wolfgang Weiß v. Lupus und Philister-Kassier Rolf Fell v. El Torro. Weiters wird durch den CC einstimmig beschlossen einen Antrag auf Aufnahme in den CV zu stellen. Außerdem wird ein Festausschuss zur Vorbereitung des 50. Stiftungsfestes bestellt.
Wintersemester 2010/11 – Bei den Wartburggesprächen, die der CV in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Eisenach vom 11. – 12. September 2010 veranstaltet, führen der Phlistersenior Matthias Groher v. Pepone und Bundesbruder Helmut Otto v. Pitter das entscheidende Gespräch mit dem damaligen
CV-Ratsvorsitzenden Cartellbruder Manfred Speck (H-RG), dem Vorortspräsident Jan-Arnulf Breiderhoff (Si) und dem Cartellsekretär Richard Weiskorn (Ae).
Auch der Besuch des Coburger Stammtisches in Berlin mit dem Besuch von Reichstag und Ministerien dient dem Kontakt mit den künftigen Cartellbrüdern. Auch über eine Einladung durch unsern Bundestagsabgeordneten Dr. Hans Michelbach dürfen wir uns freuen.
Im Heft 6 des Jahrganges 2010 der CV-Zeitschrift Academia bekommen wir Gelegenheit unserer Verbindung der CV-Öffentlichkeit vorzustellen. Auch im Heinrichsblatt der Zeitung der Diözese Bamberg erscheint ein Artikel über unsere Thuringia. In einer konzertierten Aktion zwischen Nürnberg, (MatthiasGroher v. Pe- pone), Berlin (Helmut Otto v. Pitter), Bayreuth (Rolf Fell v. El torro) und Wien (Herbert Fritz v. Dr. Textor) werden die Artikel per eMail vorbereitet, ebenso wie unser Aufnahmeansuchen an die CV in Essen und die Rede unseres Philisterseniors Matthias Groher v. Pepone an dieses Gremium.
Am 25. September tagt zum ersten Mal der Festausschuss für das 50. Stiftungsfest. Es sind dies die Bundesbrüder Hans Cordes v. Preuß, Florian Fell v. Floh, Rolf Fell v. El Torro, Matthias Groher v. Pepone, Günter Grube v. Günter, Franz Trautenbach v. Teja, Wolfgang Weiß v. Lupus, Helmut Zeitler v. Butler und per E-Mail Helmut Otto v. Pitter.

Thuringen beim 120. Stiftungsfest e.v. Frankonia Czernowitz zu Erlangen in CV – im Jänner 2011, Philistersenior Matthias Groher v. Pepone, der Bayer. Innenminister Cartellbruder Joachim Herrmann, Gerd Popp v. Schorschi, Florian Fell v. Floh

Bei der 125. Cartellversammlung des CV in Essen (2011)
Sommersemester 2011 – Das 49. Stiftungsfest vom 15. bis 17. April feiern wir wieder im neuen Pfarrzentrum von St. Augustin. Thuringia kehrt zurück. Die Kontakte zum CV werden erstmals an diesem Stiftungsfest spürbar. Es besuchten uns nicht nur viele Mitglieder der CV-Zirkel Coburg und Obermain, sondern auch der damalige Vorortspräsident Jan-Arnulf Breiderhoff (Si)
Am Wochenende 2.-5.Juni 2011 fand die 125. Cartellversammlung des CV in Essen statt. Unser Antrag auf Aufnahme wurde mit 93,4% angenommen. Somit ist Thuringia Coburg seit 3. Juni 2011 die 125. Verbindung des „Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen“. Wir sind somit die dritte Korpo- ration aus dem TCV (nach unserer Mutterverbindung Guelfia Würzburg und Vi- surgis Bremen), die diesen Schritt vollzogen hat. In einem Rundschreiben – ver- fasst durch das bewähre o.a. Redaktionsteam – an alle neuen Cartellbrüder in unse- rer Umgebung stellen wir uns einer breiteren Cartellöffentlichkeit vor.
Bei der 125. Cartellversammlung des CV
in Essen (2011)
Unser erster offizieller Auftritt als „CVer“ mit starker Mannschaft (trotz regnerischen Wetter) erfolgt kurz darauf beim 50. Staffelbergtag des CV-Zirkels Obermain am Sonntag den 17. Juli, wo wir beim Absingen unserer Farbenstrophe begeistert empfangen wurden, oder lag´s nur daran, dass wir allen Teilnehmer als Einstand je ein Bier spendierten? Der Coburger Stammtisch besuchte in diesem Semester die bayrische Staatsregierung in München
Wintersemester 2011/12 –Der Vorortspräsident des CV, Cartellbruder Ra- mon Mann (Fl), kommt mit dem CV-Infostand zu Beginn des Semesters an die Hochschule Coburg. Die Semesterantrittskneipe wird im Ratskeller geschlagen. Bei der vorverlegten Krambambulikneipe – Ende Oktober – übernimmt Budesbruder Willi Partsch v. Asterix das Brauen des Krambambulis. Bundesbruder Günter Krätzler v. Eule lädt zu einem Besuch der „Tunnelbaustelle Lauterüberleitung“.
Der Festausschuss verhandelt mit dem neuen Pfarrer von St. Augustin Dekan Roland Huth und dem Kirchenpfleger Prof. Dr. Kollo (HS Coburg) über eine neue Konstante im Pfarrzentrum St. Augustin und über die Anmietung einer studentengerechten Wohnung aus dem Grundbesitz der Pfarrei St. Augustin.
50. Stiftungsfest
4. bis 6. Mai 2012
Eine solche Übersicht wird nach 50 Jahren immer Lücken aufweisen. Auch kann nicht jede Antritts- oder Abschlusskneipe erwähnt werden. Selbstverständlich haben wir jedes Jahr am Stiftungsfest einen schönen Kommers mit anschl. Ball gefeiert. Auch sind wir jedes Jahr zur Cartellversammlung unseres Dachverbandes gefahren, aber nicht an jeder dieser Veranstaltungen wurden weitreichende Entscheidungen gefällt, so dass sie hier unerwähnt bleiben können. Hier sollen nur die Meilensteine unserer Verbindung dargestellt werden.
Es gibt sicher zwei Höhepunkte in unserer 50-jährigen Verbindungsgeschichte:
Zum einen die Aufnahme in den CV auf der Cartellversammlung in Essen 2011 und zum anderen die nun schon über 40 Jahre dauernde Freundschaft zu e.v. KÖStV Thuringia Wien im MKV. Unvergesslich sind die Feiern zu den runden Jubiläen, über die wir im Kapitel „Orte der Begegnung“ berichten werden.
Bei der Zusammenstellung dieser Chronik haben mitgeholfen
Franz Trautenbach v. Teja, Helmut Otto v. Pitter, Rolf Fell v. El Torro, Florian Fell v. Floh, Matthias Groher v. Pepone, Gerd Popp v. Schorschi. Weiters wurden Teile des Beitrages von Bundesbruder Götz Ullrich aus der Festschrift von 1987 übernommen.