Liebe Bundesbrüder, geschätzte Gäste,
nach unserem feierlichen Gesang „O alte Burschenherrlichkeit“ möchte ich diesen Moment nutzen, um einige Gedanken mit euch zu teilen. Es ist ein wunderbarer Augenblick, in dem wir zusammenkommen, um die Werte unserer Verbindung zu feiern und die Freundschaft zu stärken, die uns alle eint.
Das Lied, das wir gerade gesungen haben, erinnert uns an die Bedeutung von Zusammenhalt und Kameradschaft, die uns über die Jahre hinweg verbunden haben. Es ist ein Ausdruck dessen, was wir miteinander teilen – die Unterstützung, die Loyalität und die Verbundenheit, die unsere Gemeinschaft ausmacht.
Heute, am 27. September, gedenken wir eines bedeutsamen historischen Ereignisses in Ägypten, das die Weltgeschichte geprägt hat. Vor mehr als 4.000 Jahren, um 2500 v. Chr., wurde die Pyramide von Gizeh, das letzte der sieben Weltwunder der Antike, erbaut. Diese monumentale Bauleistung symbolisiert nicht nur die beeindruckenden technischen Fähigkeiten der alten Ägypter, sondern auch ihren Glauben an das Jenseits und den unermüdlichen Einsatz, etwas von bleibendem Wert zu schaffen. Die Pyramiden sind ein Zeugnis dafür, wie Menschen zusammenarbeiten können, um Großes zu erreichen, auch wenn sie vor enormen Herausforderungen stehen. Dies sollte uns ermutigen, unsere eigenen Hindernisse als Sprungbrett für Fortschritt zu sehen.
In unserer Verbindung orientieren wir uns an Prinzipien, die uns in solchen Zeiten den richtigen Weg weisen. Diese Werte sind fest in unserem Verbindungsleben verankert und haben uns seit der Gründung am 2. Juni 1962 durch viele Krisen geleitet.
Unser Motto „Per aspera ad astra“ – „Durch Schwierigkeiten zu den Sternen“ – ermutigt uns, Hindernisse nicht zu fürchten, sondern sie als Gelegenheiten für Wachstum und Entwicklung zu begreifen.
Johann Wolfgang von Goethe hat es treffend formuliert: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Diese zeitlose Weisheit gilt auch für unsere gegenwärtigen Herausforderungen. Uns begegnen immer wieder Hindernisse, sei es im Studium, im Alltag oder im Miteinander. Doch genau diese „Steine“ geben uns die Möglichkeit, zu lernen, zu wachsen und etwas Großartiges zu erschaffen. Die Geschichte lehrt uns, dass Wandel oft mit Anstrengungen verbunden ist, und es liegt an uns, diese Herausforderungen in Chancen zu verwandeln.
In diesem Sinne haben wir unser Semesterprogramm so gestaltet, dass es uns zahlreiche Gelegenheiten bietet, sowohl intellektuell als auch gemeinschaftlich zu wachsen. Ob durch spannende Vorträge, inspirierende Exkursionen oder den persönlichen Austausch – wir können unseren Horizont erweitern und unser Miteinander stärken. Als katholische Studentenverbindung ist es uns wichtig, nicht nur akademische Erfolge zu feiern, sondern auch füreinander da zu sein und uns gegenseitig zu unterstützen.
Was wäre eine Verbindung ohne den wertvollen Aspekt der Freundschaft? Die Freundschaft ist das stärkste Band, das uns über die Jahre hinweg vereint. In der Bibel heißt es: „Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer den gefunden hat, der hat einen Schatz gefunden“ (Sirach 6,14). In unserer Verbindung dürfen wir diesen Schatz immer wieder neu entdecken und bewahren.
Unser katholischer Glaube gibt uns Halt und Orientierung in allem, was wir tun. Besonders in schwierigen Zeiten ist dieser Glaube unsere Quelle der Stärke. So wird im Matthäusevangelium gesagt: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Diese Gemeinschaft in Christus bildet das Herzstück unserer Verbindung.
Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass wir auch eine Verantwortung gegenüber der Freiheit tragen. Unsere Gemeinschaft bekennt sich zu den Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Freiheit bedeutet für uns nicht nur das Recht auf persönliche Entfaltung, sondern auch die Verpflichtung, diese Freiheiten zu verteidigen und aktiv zu gestalten. In einer Welt, die immer komplexer wird, liegt es an uns, diese Verantwortung ernst zu nehmen.
Das bevorstehende Semester bietet uns die Möglichkeit, all diese Prinzipien mit Leben zu füllen. Sei es bei akademischen Veranstaltungen oder geselligen Treffen – es gibt unzählige Chancen, uns gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam zu wachsen. Wichtig ist, dass wir die Herausforderungen, die auf uns zukommen, nicht als Hindernisse betrachten, sondern als Gelegenheiten, Positives zu bewirken.
Lasst uns dieses Semester unter das Motto stellen: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Gemeinsam werden wir die Steine auf unserem Weg nutzen, um etwas Großes zu schaffen – in Freundschaft, Glauben und im Streben nach Wissen.
Ich freue mich darauf, mit euch ein erfolgreiches und unvergessliches 125. Couleursemester zu gestalten. Lasst uns zusammenhalten, einander unterstützen und die Werte leben, die unsere Verbindung so stark machen.
Vivat, crescat, floreat, ad multus annos Thuringiae.
Ansprache des Seniors Bbr Bilbo
